Alois Kölbl - Die Große Ausrede


Es gehört zu einem der Charakteristika von Daniel Hafners künstlerischem Werk, dass seine Arbeiten zumeist nicht das sind, was sie auf den ersten Blick zu sein scheinen. Das kann eine wie eine computergenerierte Grafik erscheinende Handzeichnung sein wie „Travelling Waves“ oder Baumstrünke, die an ein gefälltes Waldstück denken lassen, das an dieser Stelle allerdings nie existierte, wie in der Installation bei der Leechkirche, die er als Pendant zum Mauerstück für die Ausstellung „Die große Ausrede“ in der Grazer KHG-Galerie entwickelt hatte. Mittlerweile ist diese sitespecific entwickelte Arbeit in Richard Frankenbergers Open Air Kunstspace transferiert und in die künstlerische Freiheit entlassen. Hier wie dort ging es Hafner allerdings nicht um Fake oder oberflächliche Trickserei, auch wenn manchmal bei ihm durchaus künstlerische Ironie im Spiel ist. Er agierte mit seinen Interventionen bei der Leechkirche und in der KHG-Galerie hart an der Grenze zwischen Alltagsrealität und erkennbarem künstlerischem Eingriff und erzeugte die künstlerische Spannung im punktuellen Innehalten in dem Moment, bevor man als BetrachterIn realisierte, dass es so, wie es auf den ersten Blick erschien, nicht gewesen sein kann. Ins subtile künstlerische Spiel mit potentiellen Möglichkeiten war man damit aber auf jeden Fall schon eingetreten, und genau das ist die Qualität der Arbeit. Dass der Künstler damit in der letzten Ausstellung vor Beginn der Bauarbeiten implizit auch noch auf die Baustelle und den Totalumbau des Ortes anspielen konnte, erhöhte allerdings den Reiz der Intervention und verknüpfte sie eng mit der Alltagsrealität.